In Zeiten von Corona

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

In diesen Tagen und Wochen erleben Sie und ich eine Krise, die durch das Corona-Virus hervorgerufen wurde, und die so noch nie da war: Das öffentliche Leben steht fast still. Unsere Kontakte zu Familienangehörigen und Freunden sind drastisch eingeschränkt. Menschen in sozialen Einrichtungen – auch im AgnesNeuHaus - dürfen nicht besucht werden. Alle terminlichen Planungen im privaten und geschäftlichen Bereich sind über den Haufen geworfen worden. Finanzielle und wirtschaftliche Sorgen über die Zukunft machen sich breit. Auch im kirchlichen Bereich müssen wir mit starken Einschränkungen leben: Sämtliche Gottesdienste und kirchliche Feiern sind zunächst bis Ende Aprilabgesagt. Es geht um Leben und Tod! Und wir wissen nicht, wie es in den kommenden Wochen und Monaten weitergehen wird. Diese Pandemie und ihre Auswirkungen trifft manche nicht so stark, andere –gerade die Schwachen und Armen – oft ganz besonders. Ich denke auch an die Krisenherde dieser Welt, wo Menschen sowieso um ihr Überleben kämpfen, etwa in Syrien. Sie sollten wir bei allen Problemen bei uns nicht aus dem Blick verlieren. Obwohl jetzt viele äußere Grenzen und Abstände zwischen Menschen lebensnotwendig sind, sollte es sie nicht in unseren Herzen geben. Ich bin beeindruckt über die vielen Berichte von Zeichen privater Solidarität und Verbundenheit untereinander: An vielen Orten sind spontane Hilfsaktionen, z.B. Einkaufsdienste für ältere und kranke Nachbarn, entstanden, um die schlimmste Not zu lindern. Es gibt Gebetsgruppen, die über das Internet verbunden sind. Kirchengemeinden bieten über das Telefon, E-Mails und andere digitale Kanäle seelsorgliche Unterstützung an. Unser Dank gilt besonders denen, die in diesen schwierigen Zeiten im Dienst an den Kranken und im Gesundheitswesen bis an ihre Belastungsgrenzen kommen. Gerade in diesen Tagen spüren wir, wie verwundbar der Mensch letztlich ist. Christen nehmen die staatlich angeordneten Einschränkungen verantwortungs-bewusst an und halten sie ein, um die Ausbreitung des Corona-Virus hoffentlich zu verzögern. Christen sind auch davon überzeugt, dass diese Pandemie keine Strafe Gottes ist. Wir sind und bleiben trotz allen medizinischen Fortschrittszerbrechliche und verwundbare Wesen. In dieser Krisenzeit kann auch der persönliche Glaube an Gott erschüttert werden: Warum lässt Gott das alles zu? Die Frage nach dem Sinn menschlichen Leids stellt sich auf schmerzliche Weise

wieder neu. Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Christen sind aber im Tiefsten davon überzeugt, dass Gott ein Freund des Lebens ist. In Jesus Christus ist er besonders mit uns verbunden und leidet mit. Wir gehen auf Ostern zu. Nach den Tagen der Fastenzeit feiern wir an diesem wichtigsten Fest der Christenheit, dass Jesus Christus den Tod ein für allemal überwunden hat. Seinen Freunden - und uns - ruft er zu: „Fürchtet euch nicht!“ Daraus können wir in diesen unsicheren Zeiten Trost und Hoffnung schöpfen. Ich vertraue darauf, dass das Leben stärker ist als der Tod. Der bekannte Theologe Karl Rahner hat einmal geschrieben: "Weil sein Grab leer ist, darum wissen wir: Es hat alles schon wirklich begonnen, gut zu werden. "Ich wünsche besonders denen, die unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden und vielleicht sogar erkrankt sind, viel Kraft und die notwendige Hilfe.

Bleiben Sie behütet – unter Gottes Schutz und Segen!

Ihr Regens Dr. Jürgen Wätjer

Geistlicher Beirat